ZugVogel Touristik
unsere Gruppe 2022 vor der Vogelherdhöhle
Hohle Fels und Region Achtal Schwäbische Alb
Skulpturenpfad im Archäopark Vogelherd
19.07.2022 Klara Reischl

Eiszeitkunst in der Schwäbischen Alb

Auch 2022 ging es für eine kleine Studienreisegruppe zu den Spuren der Eiszeitkunst in den Höhlen des Ach- und Lonetales. Vor 40.000 Jahren entstanden dort einzigartige Kunstwerke, die wir in den Museen bewunderten. Außerdem besuchten wir die Fundstellen in der traumhaften Landschaft und die aktuelle Ausgrabung am Hohle Fels.


Ankunftstag  Archäopark Vogelherd Hohlensteinstadel  Tübingen und Hohle Fels  Höhlen des Achtal und Blaubeuren  Stadtmuseum Ulm


Anreise, Kennenlernen und erster Vortrag

Der grundsätzliche Ablauf der Reise hat sich bereits bewährt, unser archäologischer Reiseleiter Dr.rer.nat Ingmar M. Braun​​​​​​​ und der Vereinsobmann der ARGE Archäologie Kurt Frank holen die Reiseteilnehmer am Bahnhof Ulm ab und fahren bei strahlendem Wetter ins Hotel. Dort treffen sie auf die weiteren Reisenden, die selbst mit dem Auto angekommen sind. Dieses Jahr nächtigen wir im hervorragenden 4* Hotel Lobinger Weißes Ross in Langenau - eine gute Wahl, wie wir aus den Rückmeldungen schließen dürfen.

Schon am ersten Abend hält unser Reiseleiter zum Einstieg einen ersten Fachvortrag und macht uns so mit der Altsteinzeit und der Region vertraut. Beim gemeinsamen Abendessen lernen wir uns dann gegenseitig kennen, diskutieren über das Gehörte und sind gespannt darauf, was uns die nächsten Tage erwartet.


Archäopark, Fundstelle Vogelherd und Hohlenstein-Stadel

Es haben sich einige Schulklassen im Archäopark Vogelherd angemeldet, daher beginnen wir mit unserem Besuch nicht gleich bei der Öffnung des Parks. Wir treffen Benjamin Schürch von der Universität Tübingen, der uns am heutigen Tag begleitet. Wie jedes Jahr geht es zunächst in die Dauerausstellung, wo wir in der sogenannten Schatzkammer die aus Mammutelfenbein angefertigte Mammutskulptur bewundern. 

Archaeopark_Niederstotzingen_Mammutfigurine_vom_Vogelherd

Den Vormittag verbringen wir im Archäopark, erkunden den Skulpturenweg und versuchen uns im Speerwerfen und dem Werfen mit Hilfe der Speerschleuder. Der Höhepunkt ist natürlich der Besuch der Fundstelle Vogelherd.  Gustav Riek fand bei der Grabung 1931 in den aurignacienzeitlichen Schichten mehrere aus Mammutelfenbein angefertigte Tierfigurinen, die nun weltberühmt sind. Eine wohlverdiente Mittagspause legen wir im nahegelegenen Ausflugsgasthof Schlössle ein und starten dann gestärkt in den Nachmittag.

unsere Gruppe 2022 vor der Vogelherdhöhle

Durch die traumhafte Landschaft der Schwäbischen Alb geht es nun zur eindrücklichen Fundstelle Hohlenstein-StadelHier fand Robert Wetzel 1939 unter anderem zahlreiche Elfenbeinfragmente, die aber erst sehr viel später zur berühmten Figur des Löwenmenschen zusammengesetzt wurden. Anschließend geht es zurück ins Hotel, wir lauschen wieder einem spannenden Fachvortrag durch Dr.rer.nat. Ingmar Braun und lassen den Abend beim gemeinsamen Abendessen ausklingen.

2022 am Hohlenstein Benjamin Schürch Universität Tübingen, Archäologe Dr.rer.nat Ingmar Braun, Kurt Frank Arge Archäologie

Museum Alte Kulturen Schloss Hohentübingen

Nach rund zweistündiger Autofahrt erreichen wir Tübingen, wo wir das Museum der Universität Tübingen besuchen. Hier erhalten wir eine Führung zu den berühmten Figurinen aus dem Vogelherd. Sie wurden anlässlich der Ausgrabungen von Gustav Riek 1931 und den Nachgrabungen des Instituts für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen unter der Leitung von Prof. N. J. Conard in den Jahren 2005 – 2012 gefunden. 

Wildpferd aus Mammutelfenbein gefunden 1931 in der Vogelherdhöhle Schwäbische Alb. Ausgestellt im Museum Alte Kulturen als Teil der Sammlungen der Universität Tübingen.

Auch unser wissenschaftlicher Reiseleiter weist bei der Führung auf Besonderheiten hin. Es bleibt anschließend noch Zeit die anderen Räume des Museums zu besuchen und die schöne Altstadt von Tübingen zu erkunden.

Tübingen 2022

Hohle Fels in Schelklingen

Am Nachmittag fahren wir dann weiter zum Hohle Fels im Achtal. Im Hohle Fels wurden Funde aus der Zeit des Neandertalers und auch des anatomisch modernen Menschen des Jungpaläolithikums gemacht. Hier treffen wir Johannes Wiedmann M.A. vom urgeschichtlichen Museum Blaubeuren. Er führt uns durch die grossräumige, eindrückliche Höhle und erzählt dabei von der Forschungsgeschichte und den wichtigsten Funden wie der berühmten "Venus vom Hohle Fels". Seit einigen Jahren werden jeden Sommer unter der Leitung von Prof. Dr. N.J. Conard wieder Ausgrabungen durchgeführt und wir sind glücklich einen Blick über die Schulter der Forschenden werfen zu können.

unsere Gruppe 2022 mit Dr.rer.nat. Ingmar Braun im Hohle Fels

Eine unserer Reiseteilnehmerinnen an der letzten Frankreichreise, die in der Nähe wohnt, hat sich am heutigen Tag der Gruppe angeschlossen und spielt uns Flötenklänge vor, die auf Nachbauten der hier gefundenen Instrumente aus der Eiszeit gespielt werden. Nochmals Danke an Rosemarie für diese wunderbare Idee, die wir gerne auch in den nächsten Reisen so einbauen werden! Johannes Wiedmann hat selbst Nachbauten der Flöten für uns mitgebracht und erklärt uns die Funde und Spielweise dieser ältesten bekannten Musikinstrumente der Menschheit. 

Nachbauten der in der Schwäbischen Alb gefundenen Flöten aus der Eiszeit

Geissenklösterle und Sirgenstein

Der nächste Tag führt uns wieder ins Achtal. Wir erkunden gemeinsam mit unserem archäologischen Reiseleiter Dr.rer.nat. Ingmar Braun die Region, lauschen seinen Ausführungen und besuchen die Fundorte. Zunächst wandern wir zum Geissenklösterle. Über einen von der Talsohle angelegten Weg geht es aufwärts zur Fundstelle, die mit einem grossen Gitter verschlossen ist. Ingmar Braun erläutert die Forschungsgeschichte und die wichtigsten Funde, darunter auch aurignacienzeitliche Figurinen aus Mammutelfenbein. 

Stufen am Weg zum Geissenkloesterle Schwaebische Alb Achtal

Der nächste Besuchspunkt des heutigen Tages ist der Sirgensteinder sich auch in unmittelbarer Nähe befindet. Nach einem gemütlichen Spaziergang durch Feld und Wald erreichen wir die für die Erforschung der Altsteinzeit wichtige Fundstelle. Denn bei der Ausgrabung stieß Robert Rudolf Schmidt von der Universität Tübingen auf verschiedene Besiedlungsphasen. Er wandte zum ersten Mal in Deutschland die französische Terminologie für die einzelnen Zeitabschnitte der Altsteinzeit anhand seiner Funde an. Danach sind diese Bezeichnungen bis heute mehr oder weniger gleich geblieben.

in der Sirgensteinhöhle

Blaubeuren

Bereits gespannt durch die Erklärungen bei den Höhlen des Achtals fahren wir weiter nach Blaubeuren. Zunächst gönnen wir uns aber eine Mittagspause und besuchen den Blautopf. Die berühmte Karstquelle erstrahlt im Sonnenschein in leuchtendem Blau. Dann geht es schließlich ins urgeschichtliche Museum von Blaubeuren, wo wir wieder Johannes Wiedmann M.A. treffen. Er führt uns fachkundig durch die Sammlung, zeigt uns die Venus vom Hohle Fels und die Elfenbeinfigur eines Wasservogels, die ebenfalls am Hohle Fels gefunden wurde. Außerdem bewundern wir hier heute die originalen Flöten aus dem Aurignacien und lauschen nochmals den Klängen, die auf modernen Nachbauten der Flöten gespielt werden.

Urgeschichtemuseum Blaubeuren

Der Löwenmensch im Stadtmuseum Ulm

Nach dem Frühstück brechen wir auf nach Ulm ins Stadtmuseum. Bei der Führung durch die Dauerausstellung zur Archäologie steht der Löwenmensch im Hauptfokus.  Erfürchtig betrachten wir die knapp 31cm hohe Figur aus dem Hohlenstein-Stadel. Als Experte darf unser archäologischer Reiseleiter Dr.rer.nat. Ingmar Braun selbst durch die Sammlung führen und wir erfahren hier nochmals die Details zur abenteuerlichen Entdeckung und Zusammensetzung der Figur aus zahlreichen Einzelteilen. Dieser Museumsbesuch bildet den würdigen Schlusspunkt unserer Reise zur Eiszeitkunst in der Schwäbischen Alb. Nach vielen Eindrücken und Erlebnissen heißt es nun voneinander Abschied nehmen und wir treten die Heimreise an.

 mit Ingmar Braun im Stadtmuseum Ulm beim Löwenmensch

Ausblick 2023

Sie sind an einer archäologischen Studienreise interessiert? Dieser Reisebericht soll Ihnen zeigen, wie so eine Reise abläuft und wie spannend und beeindruckend diese Reisen mit unseren Experten sind.

Auch im kommenden Jahr planen wir wieder Reisen mit Dr. rer. nat. Ingmar M. Braun. Bei unseren Kleingruppenreisen haben Sie die Möglichkeit einzigartige Einblicke in das Leben unserer Vorfahren zu erhalten und reisen in Begleitung eines fachkundigen Experten, mit dem Sie sich jederzeit unterhalten können. Das Programm 2023 wird bis Ende des Jahres fixiert. Voranmeldungen für einzelne Reisen sind jederzeit bereits möglich. 

Gerne können Sie uns bei Fragen zu unseren Reisen kontaktieren: office@zugvogeltouristik.at | Telefon: +43 1 890 77 00 - Wir freuen uns auf Sie! 

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