Kairo mit dem Grand Egyptian Museum
Reise nach Kairo - ein Reisebericht
Die Reiseplanung…wird das Museum öffnen?
Im November 2025 fand unsere Pionierreise zum neu eröffneten Grand Egyptian Museum (GEM) hinter den Pyramiden von Giza statt. Im Vorfeld war es eine kleine Zitterpartie gewesen, da lange nicht feststand, ob die komplette Eröffnung des gigantischen Ausstellungskomplexes, die zunächst schon für Anfang Juli 2025 angesetzt war, dann aber aufgrund der heiklen politischen Situation im Nahen Osten auf unbestimmte Zeit verschoben worden war, tatsächlich bis zum Start dieser Reise stattgefunden hätte.
Doch wir waren im Endeffekt tatsächlich unter den ersten Reisegruppen, die das neue Museum einschließlich des kompletten Grabschatzes von Tut-anch-Amun besichtigen konnten und sind froh, dass wir die Reise durchgeführt haben!
Start in Kairo
Bedingt durch die unterschiedlichen Ankunftszeiten der Reisegäste in Kairo lernte sich die Gruppe erst am nächsten Morgen beim Frühstück kennen. Danach wäre gleich das GEM auf dem Besuchsplan gestanden. Bereits am Tag zuvor musste das Museum wegen Überfüllung den Zutritt vorzeitig stoppen und an diesem in Ägypten arbeitsfreien Tag kamen noch mehr Besucher. Also disponierten wir kurzfristig um und verschoben den zweifellosen Höhepunkt der ganzen Tour um zwei Tage.
Stattdessen steuerten wir das älteste im Stadtgebiet von Kairo erhaltene Viertel an, nämlich die in byzantinischer Zeit Babylon genannte römische Festung, über deren teils wieder ausgegrabenen Mauern und Rundtürmen sich zwei Kirchen erheben, am bekanntesten die frühchristliche Al-Moallaka-Kirche, die „Hängende“, so genannt aufgrund ihrer Bauweise über den antiken Relikten. Im sich anschließenden koptischen Viertel wird die Sergius-Kirche mit der Flucht der heiligen Familie nach Ägypten in Verbindung gebracht und soll über deren zeitweiligem Aufenthaltsort errichtet worden sein. Außerdem besichtigten wir die alte Ben-Ezra-Synagoge, Zeugnis einer einst blühenden jüdischen Gemeinde in Kairo.
Ganz wollten wir nicht auf einen Museumsbesuch verzichten, und so erkundeten wir nachmittags das neue Nationalmuseum in Giza. Hier ist mit ausgewählten Spitzenstücken jede Epoche Ägyptens vertreten, von der pharaonischen Zeit bis zum Ende der 1952 gestürzten Monarchie. Höhepunkt sind dabei die unterirdischen Räume mit den Mumien der Pharaonen des Neuen Reiches aus dem Tal der Könige mit einem Teil der dazu gehörigen Grabbeigaben.
Bei einem Vortrag nach dem Abendessen gab es schon einmal eine Einführung in das Grab Tut-anch-Amuns mit seinen reichen Schätzen.
Die Pyramiden
Der nächste Besuchstag stand ganz im Zeichen des Alten Reiches und der in dieser Epoche entstandenen Pyramiden. So starteten wir in Saqqara, wo sich mit dem Grabkomplex des Königs Djoser, errichtet durch seinen Chefarchitekten Imhotep, die älteste Pyramide in Gestalt eines getreppten Bauwerks befindet. Seit kurzem kann man auch das Innere des Bauwerks betreten und einen Blick hinunter in den gewaltigen Grabschacht mit der Grabkammer auf seiner Talsohle werfen.
Unweit davon weist die Unas-Pyramide die älteste mit Texten verzierte Grabkammer auf. Zuvor waren die königlichen Sargräume stets undekoriert. Im Gegensatz dazu waren die Grabwände der zeitgenössischen Beamtenschaft mit reichem Reliefschmuck verziert, wovon wir uns bei einem Besuch der Mastabagräber der Idut und von Kagemni und Mereruka selbst überzeugen konnten.
Danach ging es weiter nach Dahschur zu den beiden Pyramiden des Königs Snofru, Vater des Cheops. Die nach ihrem Aussehen als „Rote Pyramide“ und als „Knickpyramide“ bezeichneten Grabmäler sind (gemeinsam mit der Pyramide von Meidum, der dritten Pyramide dieses Herrschers) die unmittelbaren Vorläufer der Cheops-Pyramide.
Bevor wir dem Areal von Giza mit dieser Pyramide und denjenigen von Chefren und Mykerinos einen Besuch abstatteten, stand noch ein Abstecher nach Memphis, der Landeshauptstadt im Alten und Mittleren Reich, auf dem Programm. Hier beeindruckten vor allem zwei großformatige Skulpturen, nämlich eine heute unter einem Schutzbau liegende kolossale Standfigur Ramses‘ II. und eine Sphinxfigur aus Alabaster aus dem Neuen Reich, deren genaue Zuweisung mangels Inschriften noch umstritten ist
In Giza genossen wir neben einem Panoramablick auf alle (insgesamt neun) Pyramiden des Gelände vor allem den Sonnenuntergang hinter dem großen Sphinx und der Chefren-Pyramide.
Der abendliche Vortrag vertiefte noch einmal die vielen Eindrücke und Informationen, die wir im Lauf des ereignisreichen Tages gewonnen hatten.
Das Grand Egyptian Museum
Am folgenden Tag wurde dann der verschobene Besuch des GEM nachgeholt. Die immer noch großen Besuchermassen verteilten sich jedoch in der riesigen Anlage, so dass man vor den Vitrinen und freistehenden Skulpturen nie das Gefühl eines Massenandrangs hatte.
Als erstes besichtigten wir die in einem separaten Gebäude ausgestellte Sonnenbarke des Cheops, die zerlegt in einer Grube neben seiner Pyramide aufgefunden worden war und sich als komplett erhalten erwies. Ein Stahlgerippe neben diesem ältesten komplett erhaltenen Schiff der Menschheit soll in Kürze den Relikten der zweiten, allerdings stark zerstört geborgenen Barke desselben Pharaos nach umfangreichen Restaurierungen den nötigen Halt gewähren.
Ein eindrucksvolles und von zahlreichen monumentalen Königsstatuen gesäumtes Treppenhaus führt hinauf in die insgesamt zwölf Säle der Hauptausstellung, von denen jeweils drei den vier Hauptepochen der pharaonischen Zeit gewidmet sind: Altes Reich (inkl. Frühzeit), Mittleres Reich, Neues Reich und Spätzeit (einschließlich der römischen Herrschaft). Die drei Räume jeder Periode stellen dabei die jeweilige zeitgenössische Gesellschaft, das Königtum und die Götterwelt vor, so dass der epochenübergreifende Überblick auch den Wandel während der mehr als dreitausendjährigen pharaonischen Geschichte deutlich macht. Viele der Objekte waren bislang magaziniert und werden erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, und so wartet nahezu jede Vitrine mit Überraschungen auf.
Den oberen Abschluss der Raumfolge bilden die beiden Hallen, in denen erstmals der komplette Grabschatz des Kindkönigs Tut-anch-Amun gezeigt wird. Denn auch in den vormaligen Ausstellungsräumen des alten Museums am Tahrir-Platz war nur ein Teil des Bestandes ausgestellt und der Rest eingelagert. Wer schon einmal in dem kleinen Grab im Tal der Könige war, kann sich kaum vorstellen, dass all die mehr als 5500 Objekte einst darin untergebracht waren. Im Zentrum der Präsentation steht natürlich die etwa 11 kg schwere Goldmaske des Königs, die auch die einzige Stelle im Museum ist, an der sich eine kleine Warteschlange (zumeist von Selfie-Fotografen) bildet.
Um die Fülle der Objekte in Ruhe aufnehmen und genießen zu können, war ein ganzer Besuchstag vorgesehen, den einige Reisegäste auch vollständig ausgenutzt haben. Die meisten sind allerdings im Laufe des Nachmittags nochmals zum benachbarten Pyramidengelände von Giza gefahren, um die gewaltigen Baukörper, das älteste und trotzdem als einziges erhalten gebliebene der Sieben Weltwunder der Antike, auf sich einwirken zu lassen.
Islamisches Kairo
Der letzte Programmtag in Kairo begann mit einem Abstecher zur Ahmed-Ibn-Tulun-Moschee, der ältesten muslimischen Gebetsstätte der Stadt, die noch ihre alte Bausubstanz aus der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts bewahrt hat, und die durch ihr spiralförmig gewundenes Minarett charakterisiert ist.
Wenig später erreichten wir auf dem geschichtsträchtigen Tahrirplatz das alte ägyptische Museum. Dieses war, bedingt durch die Konkurrenz durch das GEM, nur schwach besucht, so dass wir uns in Ruhe ausgewählten Objekten des Bestandes widmen konnten. Das Haus beherbergt aber immer noch Schlüsselstücke der altägyptischen Geschichte, beginnend mit der Narmer-Palette aus der Zeit der Reichsgründung um 3000 v. Chr. Und noch immer blicken die über zwei Etagen reichenden Kolossalstatuen von Amenophis III. und Teje, der Eltern Echnatons, an der Rückseite der zentralen Halle auf die Besucher hinunter.
Die umfangreichen Grabschätze von Juja und Tuja, der Eltern der Teje, werden jetzt großzügig in den Gängen gezeigt, die bis vor kurzem noch das Inventar des Grabes von Tut-anch-Amun beherbergt haben. Und selbst pharaonische Grabschätze sind noch vorhanden, in Gestalt der Beigaben aus den Gräbern der Könige der 21. und 22. Dynastie aus Tanis im östlichen Nildelta.
Auch in diesem Museum hätten wir noch gut einen ganzen Tag verbringen können, aber auf uns wartete zum Abschluss noch ein Besuch des historischen Kerns des islamischen Kairo, das bekanntlich als Al-Qahira („die Siegreiche“) eine Gründung der schiitischen Fatimidendynastie war. Unser Rundgang startete mit dem Besuch der Al-Azhar-Moschee, Bestandteil eines großen Universitätskomplexes mit zahlreichen nicht nur theologischen Studienfächern, deren Vorsteher heute die höchste Autorität des sunnitischen Islam repräsentiert.
Direkt anschließend beginnt der weltberühmte Basar Khan el-Khalili, der als größter und ältester Warenumschlagplatz Afrikas gilt. Einer seiner Zugänge ist die Al-Muizz-Straße, an der sich fatimidische und mameluckische Prunkfassaden nahezu lückenlos aneinanderreihen. . Dazwischen ist sogar ein christliches gotisches Portal wiederverbaut, das die muslimischen Gegner der Kreuzfahrer nach deren Räumung von Akko aus der dortigen Kirche abmontiert hatten. Diese Prunkstraße führt zum Bab el-Futuh („Tor der Eroberungen“), einem der drei heute noch erhaltenen Stadttore in die ummauerte Altstadt von Al-Qahira. Hier nahm uns der Bus, von unserem zuverlässigen und stets gut gelaunten Fahrer Ahmed während all der Tage sicher durch den chaotischen Straßenverkehr von Kairo geleitet, wieder auf, um uns zurück ins Hotel zu bringen.
Bei einem letzten Abendvortrag, der das islamische Kairo als Schwerpunkt hatte, verabschiedete sich die Gruppe nach den gemeinsamen erlebnisreichen Besuchstagen voneinander, denn am nächsten Vormittag gab es individuelle Transfers zum Flughafen von Kairo, von dem aus die Reiseteilnehmer(innen) ihren Rückflug in die Heimat antraten.
Impressionen von der Kairo-Reise
Fazit und Ausblick
Die Eröffnung des Grand Egyptian Museum fand verspätet erst drei Tage vor Reisebeginn statt, doch wir hätten dem Museum gerne das eigentlich geplante halbe Jahr Vorlaufzeit bis zu unserem Besuch gegeben. Das GEM wurde mit durchschnittlich 19.000 täglichen Besuchern förmlich überrannt, Ticketsysteme sind zusammengebrochen und Timeslots, Zugangsbeschränkungen und maximale Besucherzahlen wurden von einem Tag auf den anderen eingeführt. Danke an alle Reiseteilnehmer für ihr Verständnis und ihre Flexibilität! Wir hoffen, der Besuch des Grand Egyptian Museum zu diesem besonderen Zeitpunkt, war für Sie ein echtes Highlight und wunderbares Erlebnis!
Das Programm der Folgetermine wurde den Erfahrungen entsprechend etwas optimiert - es werden unvergessliche Reisen!
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ab 4.390 € (inklusive Flug)
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