Sulawesi - die älteste Höhlenmalerei der Welt
Sulawesi - Schlüsselgebiet der prähistorischen Archäologie
Liegt die Wiege der Felsbildkkunst nicht in Europa, sondern in Südostasien? Die berühmten Höhlen Europas sind nicht entthront, aber sie haben Konkurrenz bekommen – aus dem tropischen Südostasien.
Wallacea ist heute eines der spannendsten Gebiete der Urgeschichtsforschung und umfasst die Inseln zwischen dem asiatischen Festlandsockel (Sunda) und dem australisch-neuguineischen Kontinentalsockel (Sahul). Diese Inseln (Sulawesi, die Molukken, Flores, Timor, Lombok und Sumba) waren nie über Landbrücken mit Asien oder Australien verbunden – selbst bei niedrigem Meeresspiegel während der Eiszeiten. Das Ergebnis aktueller Forschung verschiebt unser Bild früher Symbolkultur deutlich. Denn schon sehr früh verfügten Menschen in Wallacea über komplexe künstlerische Ausdrucksformen – und erreichten diese Region offenbar über gezielte Seereisen. Besonders die Höhlen der Karstregion Maros nahe Makassar, der Hauptstadt der indonesischen Insel Sulawesi, entwickelten sich in den letzten Jahren zu einem spannenden Forschungsgebiet mit Handnegativen und Darstellungen von Tieren und jagdähnlichen Szenen. Das Alter einzelner Darstellungen wurde dabei bisher auf mindestens 50.000 Jahre datiert. Doch auch in der Region Südost-Sulawesi, insbesondere auf der Insel Muna weckten Höhlen mit ausgedehnten Felspanoramen mit unzähligen Darstellungen vermehrt das Interesse der Archäologen und belegen nun Felskunst mit einem Alter von mindestes 67.800 Jahren.
Wie wird das Alter der Darstellungen datiert?
Die Datierung erfolgte nicht am Pigment selbst, sondern an dünnen Kalkablagerungen, die sich später über der Malerei gebildet haben. Mit der Uran-Serien-Datierung (LA-U Series analysis) lässt sich bestimmen, wann dieses Kalzitmaterial entstanden ist - das ergibt ein Mindestalter für die darunterliegende Kunst. In einigen Fällen konnte durch die Analyse der Kalziumkarbonatschichten, die sich unmittelbar unter den Pigmentschichten befanden, auch ein Höchstalter bestimmt werden.
Führend in der Forschung ist dabei die australische Griffith University. Der Archäologe und Geochemiker Maxime Aubert untersucht bereits seit einigen Jahren gemeinsam mit indonesischen Archäologen die Höhlen auf Sulawesi.
Was wurde in Liang Metanduno untersucht?
Eine im Fachblatt Nature Magazin veröffentlichte Studie befasst sich mit den Funden in Südost-Sulawesi. Die datierten Motive umfassten sieben Handschablonen sowie vier weitere Malereien (zwei mit menschlichen Figuren und zwei nicht-figürliche, geometrische Motive). Alle bis auf eine der untersuchten Handschablonen aus Südost-Sulawesi datieren in das Pleistozän, während die übrigen Malereien überwiegend Motive mit jüngeren, also holozänen, Mindestaltern darstellen.
Das älteste ermittelte Mindestalter betrifft eine Handschablone aus der Höhle Liang Metanduno auf der Insel Muna (Probe LMET2). Dieses Motiv ist teilweise von alten koralloiden Speleothemen überdeckt. Die Schablone ist schlecht erhalten und besteht nur noch aus einem etwa 14 × 10 cm großen Bereich verblassten Pigments, der Teile der Finger und den angrenzenden Handflächenbereich zeigt. Die Spitze eines Fingers scheint künstlich verschmälert worden zu sein – entweder durch zusätzliche Pigmentauftragung oder durch Bewegung der Hand während des Sprühvorgangs –, ein besonderer Typ von Handschablonenkunst, der bislang nur aus Sulawesi bekannt ist. Die Datierungsergebnisse zeigen, dass diese Handschablone mindestens 67.800 Jahre alt ist.
Ein weiteres koralloides Speleothem wurde über einer zweiten Handschablone beprobt (PROBE LMET1), die sich auf demselben Panel links der ersten befindet. Auch dieses Motiv ist teilweise von alten Speleothemen überdeckt; erhalten geblieben ist lediglich ein 14 × 9 cm großer Bereich mit gesprühtem Pigment, der die negativen Abdrücke von drei Fingern zeigt. Das Pigment erscheint dunkler als das der anderen sichtbaren Handschablonen auf dem Panel.
Diese Probe enthält zwei unterschiedliche Pigmentschichten, die im Kalziumkarbonat eingebettet sind. Die stratigraphisch älteste Pigmentschicht weist ein Mindestalter von 60 900 Jahren auf, während die zweite Pigmentschicht ein Mindestalter von 21 500 Jahren und ein Höchstalter von 32 800 Jahren besitzt. Eine genaue Betrachtung zeigt, dass das dunklere Pigment im sichtbaren Bereich über dem helleren liegt. Das hellere Pigment könnte zu einer älteren Handschablone gehören oder Reste von Sprühpigment darstellen, die mit der als LMET2 beprobten Handschablone verbunden sind. Alternativ könnte es sich um die Überreste eines anderen, heute nicht mehr sichtbaren Motivs handeln, das älter ist als das darüberliegende Pigment.
Unabhängig davon zeigt LMET1 eindeutig, dass zwei Phasen pleistozäner Felskunstproduktion auf diesem Panel durch einen Zeitraum von mindestens 35.000 Jahren voneinander getrennt sind. Da die bislang älteste datierte Handschablone mit verschmälerten Fingern ein Mindestalter von 17 000 Jahren ergab, lässt sich schließen, dass diese regional einzigartige Variante der Schablonenkunst deutlich älter ist als bisher angenommen.
noch zu wenig Details?
die gesamte Veröffentlichung mit Bildern der Proben finden Sie hier >>Nature Magazin
Nur für Archäologen zugänglich oder kann jeder diese Felsbilder besuchen?
Ein Besuch bei der Felsbildkunst auf Sulawesi ist nicht vergleichbar mit einem Besuch steinzeitlicher Höhlenmalerei in Frankreich oder Nordspanien. Tatsächlich sind die Höhlen touristisch kaum erschlossen und wir waren Ende 2024 wieder selbst auf Sulawesi unterwegs, um uns persönlich ein Bild zu machen. Einzig in Leang Leang sind wir auf weitere Besucher gestoßen, ansonsten waren wir alleine bei den Darstellungen in den Höhlen. Wir haben uns angesehen, was bei unseren üblichen Sulawesireisen für alle machbar und zugänglich wäre und welche Besichtigungen wir bei einer Spezialtour für archäologisch besonders interessierte Reisende realisieren können. Vor Ort gab es zu der Zeit bereits die Information, dass noch älteren Felsbilder im Südosten untersucht werden und wir haben Muna in unsere spezielle archäologische Studienreise bereits inkludiert.
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