Catalhöyük - erste Stadt der Menschheit oder doch ein Dorf?
Ein Hügel mit großer Geschichte
Die jungsteinzeitliche Siedlung Catalhöyük in Anatolien galt lange als Wiege urbaner Zivilisation. Bereits in den 1960er Jahren war der britische Archäologe James Mellaart davon überzeugt, dass hier – rund 30 Kilometer südöstlich des heutigen Konya – vor etwa 9000 Jahren eine der ersten Städte der Welt existierte. Die dichte Bebauung mit hunderten, eng aneinandergebauten Lehmziegelhäusern, das Fehlen monumentaler Bauwerke und eine klare Gliederung in Wohn- und Arbeitsbereiche schienen ein urbanes Leben zu bezeugen. Mellaart schätzte die Bevölkerung auf bis zu 10.000 Menschen, ein Eindruck, der durch die Größe des Siedlungshügels (Tell) gestützt wurde.
Neue Forschungen, neue Zahlen
Doch dieses Bild beginnt zu bröckeln. Die Archäologen Ian Kuijt und Arkadiusz Marciniak haben die Siedlung mit neuen Methoden untersucht. Statt von einer gleichzeitigen Nutzung aller Häuser gehen sie davon aus, dass viele Gebäude nur kurzzeitig bewohnt und dann verlassen oder überbaut wurden. Ihre Berechnungen ergaben: Zur Blütezeit von Catalhöyük lebten wahrscheinlich nur etwa 600 bis 800 Menschen gleichzeitig dort – weit entfernt von den früher angenommenen Tausenden.
Ein organisches Dorf, keine geplante Stadt
Diese Neubewertung stellt das gängige Narrativ infrage, dass Catalhöyük eine Stadt im klassischen Sinne war. Weder Tempel noch Paläste oder soziale Eliten lassen sich archäologisch fassen. Stattdessen sprechen die Befunde – darunter auch meterdicke Mistablagerungen – für eine ländlich geprägte, dörfliche Struktur, in der Mensch und Tier Tür an Tür lebten. Catalhöyük war ein Ort des Alltags, kein Zentrum der Macht.
Das Neolithikum war vielfältig
Auch im Vergleich zu anderen Siedlungen wie Asıklı Höyük wird deutlich, dass die neolithische Lebensweise vielfältiger war als lange angenommen: sesshaft oder mobil, Ackerbau oder Jagd – die prähistorischen Gemeinschaften lebten in unterschiedlichsten sozialen und ökonomischen Kontexten. Selbst eine Wandmalerei, die möglicherweise den ältesten Stadtplan der Menschheit darstellt, lässt sich nicht als Beweis für eine urbane Struktur im modernen Sinne deuten.
Der Übergang zum sesshaften Leben war kein geradliniger Fortschritt und so bleibt Catalhöyük ein faszinierender Ort des Übergangs – ein Symbol für das Experimentieren mit neuen Lebensformen in der Neolithischen Revolution, aber wohl keine Stadt im eigentlichen Sinne. Vielmehr handelte es sich um ein großes, über Jahrhunderte hinweg genutztes Dorf – und als solches erzählt es eine andere, nicht weniger bedeutende Geschichte über den Ursprung unserer Zivilisation.
Mehr Infos!
Wer mehr über die Bedeutung Catalhöyüks erfahren möchte, dem sei der Artikel von Joachim Willeitner in der aktuellen aktuellen Ausgabe (02.25) von Spektrum Geschichte empfohlen. Dort beleuchtet der erfahrene Archäologe und Autor die neuesten Forschungen zu diesem einzigartigen Fundort.
Catalhöyük selbst erleben!
Auf der Seite unserer Hethiterreise finden Sie einen Link zu einem virtuellen Rundgang in Catalhöyük. Am eindrücklichsten ist allerdings der Blick vor Ort: Auf unserer Studienreise durch Zentralanatolien besuchen wir einerseits die Zeugnisse der Hethiter. Andererseits widmen wir uns auch den prähistorischen Stätten wie Kültepe, Așikli Höyük und natürlich Catalhöyük alljährlich gemeinsam mit Joachim Willeitner. Ein exklusives Erlebnis mit einem der besten Kenner der Region!
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