ZugVogel Touristik
Ruinen_von_Knidos_Datca_Halbinsel
21.11.2022 Klara Reischl

Karische Küste

Auf diese Reise waren wir besonders gespannt! Mit dem traditionellen Gulet schippern wir in der Türkei entlang der Karischen Küste, machen auf der Strecke immer wieder Halt und erkunden Zeugnisse unserer Vorfahren, Land und Leute. Kurz gesagt: Es war toll und wir werden das wiederholen! 

 

Bodrum: Willkommen an Bord

Die Blu Dream - unsere luxuriöses Zuhause für diese Reise

Im Lauf des Samstags kommen alle Mitreisenden sukzessive am Flughafen Bodrum-Milas an und werden individuell nach Bodrum gebracht. Bevor es an Bord geht, besteht im Hafenviertel noch die Möglichkeit zum Einkauf von individuellen Getränken (Alkoholika), die sonst auf dem Boot nicht vorrätig sind. Dann bringt uns ein Beiboot an Bord des Gulet. Damit wird ein zumeist zweimastiger Motorsegler aus Holz bezeichnet, der für die Region um Bodrum, das antike Karien, an der türkischen Südwestküste typisch ist und in ähnlicher Bauweise schon im Altertum Handelsgüter auf dem Meer transportierte. Wir besteigen mit der „Blu Dream“ ein kleines Schmuckstück mit vier Doppelkabinen und vier Mann Besatzung. 

Bodrum_Burg_und_Yachthafen_am_Abend

Der Kapitän hat nicht an der Mole festgemacht, sondern draußen in der Bucht geankert, und das gewährt uns einen phantastischen Ausblick auf die nächtlich beleuchtete Stadt und vor allem auf die angestrahlte Kreuzfahrerfestung von St. Peter. Zu unserem Glück steht auch noch der Vollmond am Himmel und spiegelt sich im ruhigen Wasser. Nach einem reichhaltigen Abendessen an Deck sucht jeder allmählich seine Kabine auf.

Leinen los!

Am nächsten Tag werden schon früh morgens die Anker gelichtet. Es geht bei ruhiger See nach Süden an die Spitze der langgezogenen Halbinsel von Datça und gegen 9 Uhr morgens laufen wir in die Bucht von Knidos ein. Der frühe Start hat sich gelohnt, denn dadurch bekommen wir einen schönen Ankerplatz direkt vor den Ruinen der antiken Stadt, die sich über den Hang vor uns erstrecken. Doch bevor wir zum Besuch aufbrechen, stärken wir uns mit einem ausgiebigen orientalischen Frühstück, das uns der Koch „gezaubert“ hat und das wir in einer gemütlichen Sitzgruppe an Bord serviert bekommen. 

In Knidos wurde in der Antike eine vorgelagerte Insel so durch einen Damm mit dem Festland verbunden, dass beiderseits der künstlichen Landbrücke je eine Hafenbucht entstand. Beeindruckend ist vor allem, wie es die Bewohner von Knidos geschafft haben, trotz der Lage der Stadt an einem steilen Hang ein Gitternetz sich rechtwinkliger Straßen umzusetzen, was nur durch die Anlage übereinander gestaffelter Terrassen möglich war. Nachmittags geht es geruhsam weiter entlang der felsigen Steilküste in eine weiter östlich gelegene ruhige Bucht, die Gelegenheit zum Schwimmen im ruhigen Wasser bietet, und in der wir auch die Nacht verbringen.

Loryma

Erneut erfolgt ein früher Aufbruch, so dass wir zum Frühstück an Bord bereits unser nächstes Tagesziel erreicht haben: eine malerische Bucht, der man nicht mehr ansieht, dass sie in der Antike wahrscheinlich einen Kriegshafen der nahegelegenen Insel Rhodos beherbergte. Während der Einfahrt passieren wir auf der linken, westlichen Seite ein steiles Ufer, das oben über seine gesamte Länge von den mächtigen und gut erhaltenen Mauern der Festung von Loryma bekrönt ist. Der kurze Aufstieg wird mit einem schönen Ausblick auf Hafenbucht und offenes Meer belohnt.

Vor uns erstrecken sich die aus weißen Quadern aufgetürmten Mauern und vorspringenden Rechtecktürme, die über weite Strecken auch begehbar sind. Die gegenüberliegenden Mauern verlaufen nur wenige Meter entfernt, so dass die gesamte Festung das Aussehen einer langen Wurst hat. Nach der Besichtigung und dem reichlichen Mittagessen verführt das Meer zum Baden. Wir können mit der Weiterfahrt abwarten, bis die uns zugewandten Festungsmauern nachmittags in das Sonnenlicht geraten und sich deutlich von den Felsen abheben, denn bis zu unserem Übernachtungsplatz in der nächsten Bucht auf der Bozburun-Halbinsel ist es nur eine kurze Seestrecke.

Phoenix

Die Bucht von Serçe, die uns über Nacht beherbergt hat, ist auch der Ausgangspunkt für den Besuch der noch weitgehend unerforschten Ruinen von Phoenix. Sie erstrecken sich über zwei gegenüberliegende Hänge auf einem Hochplateau inmitten der langgestreckten Bozburun-Halbinsel, so dass uns ein angemieteter kleiner Bus dorthin bringt. Unterwegs bietet sich ein Blick hinab auf die andere Seite der Halbinsel mit ihrem blauen und klaren Wasser. Einer der Hänge von Phoenix wird von einer Festung bekrönt, zu der allerdings nur einige Teilnehmer hinaufsteigen. Die übrigen erkunden das Trümmerfeld mit seinen zahlreichen Mauerresten und losen Quadern, die vereinzelt auch Baudekor oder Inschriften aufweisen. Danach bringt uns unser Bus noch zu den Überresten einer kleinen byzantinischen Kirche, an der gerade Ausgrabungen stattfinden. Zu den aktuellen Funden gehört ein vorchristlicher beschrifteter Altarblock. Danach geht es weiter in eine Bucht, die uns am nächsten Morgen als Ausgangspunkt für den Besuch von Kaunos dienen wird.

Kaunos

Morgens nach dem Frühstück holt uns ein Boot ab, das uns über eine Stunde lang zunächst ein kurzes Stück übers offene Meer und dann durch das schilfbewachsene Naturschutzgebiet von Kaunos fährt. Hier finden sich in den vorderen Bereichen die Lebensräume und Eiablagebänke von Salzwasserschildkröten und von diesen durch die Wasserpflanzen abgetrennt in Ufernähe die Vorkommen von Süß- und Brackwasserschildkröten.

Schon bei der Anfahrt zeichnet sich der markante Berg mit der Zitadelle von Kaunos ab, und auf den dahinter gelegenen steil aufragenden Felswänden sind bereits auf halber Höhe die monumentalen Fassaden der hellenistischen Tempelgräber erkennbar. Der Meeresarm dazwischen und das in diesen mündende Trockental markieren die antike Grenze zwischen den Landschaften Karien und Lykien, wobei die Grabfassaden bereits letztgenannter zugeordnet werden. Einer der Teilnehmer lies es sich nicht nehmen auf die Festung aufzusteigen, um den herrlichen Blick auf das antike Kaunos und das durchfahrene Flussdelta zu geniessen.

Felsengräber von Kaunos

Kaunos ist die besterhaltene der historischen Stätten auf dieser Reise und beeindruckt durch große, weithin sichtbare römische Thermen, ein in den Burghang eingetieftes griechisches Theater sowie durch zahlreiche Kirchen und Tempelgrundrisse. Über die antike Straße mit ihrem weitgehend noch erhaltenen Pflaster und flankiert von alten Gebäuderesten steigen wir von der Agora hinab zum malerisch an der Einmündung des Flusses Dalyan gelegenen antiken Hafenbecken mit seinen Relikten. 

Kaunos

Der langen Besichtigung schließt sich ein verspätetes Mittagessen im nahegelegenen Ort Dalyan an, die einzige Mahlzeit der Tour, die wir aus Zeitgründen nicht an Bord einnehmen. Bei sehr leckerem mediterranen Essen in dem feinen Restaurant hatten wir einen Logenplatz mit Blick auf die beeindruckenden Felsengräber. Dann bringt uns unsere Ausflugsbarkasse wieder zurück zum Schiff, diesmal bei etwas mehr Wellengang.

Kaunos

Lydae

Nochmals erwartet uns tags darauf eine längere Seestrecke, bis wir in einer Ausbuchtung der weitläufigen Göçek-Bucht bei Fethiye vor Anker gehen. Eine heute vor der Küstenlinie liegende, teils vom Meer überflutete Ruine einer antiken Badeanlage hat dem Uferabschnitt am Ort des antiken Arymaxa den Namen Cleopatra Beach gegeben, denn der Überlieferung nach soll sich hier die ägyptische Königin zum Baden aufgehalten haben. Dieser Platz ist der Ausgangspunkt für einen längeren und Trittsicherheit verlangenden Aufstieg zu den weitläufigen Ruinen des antiken Lydae. In dem Hochtal von Lydea, am Fusse der antiken Ruinen, konnten wir uns dann auf einer ueberdachten Terrasse eines kleinen Bauernhofes an einer Tasse Salbeitee laben und uns von der Anstrengung des Aufstieges erholen.

Wie in Phoenix haben auch hier seit der Entdeckung der Stätte im März 1888 durch das britische Archäologenpaar Theodore und Mabel Bent bislang keine systematischen Ausgrabungen stattgefunden, und so können wir an den Hängen unterhalb eines großen würfelförmigen Mausoleums, das die Ruinen überragt, noch wahre Entdeckertätigkeit entfalten. Erstaunlich viele der herumliegenden Quader tragen griechische Inschriften. Komplett noch im erhaltenen Steinverbund umgestürzte Hausmauern zeugen von der Gewalt eines Erdbebens, das die Stätte schließlich zerstörte. Wir wären hier gern noch länger geblieben, aber angesichts des schwierigen und langen Rückwegs treten wir vorzeitig den Rückweg an.

Göcek

Laut Programm-Ausschreibung wäre heute, am Tag vor dem Rückflug, nur eine Segelstrecke ohne Besichtigungspunkte angestanden. Doch der Kapitän des Gulets überrascht uns mit einem Extra-Stopp. Da die Hafenbucht von Göçek, von der aus der Transfer zum Flughafen von Dalaman durchgeführt wird, mit Booten, Yachten und Schiffen aller Art überfüllt ist und deswegen dort ein letztes Baden im Meer unmöglich ist, ankert er nachmittags noch an der vorgelagerten Bedri Rahmi Bay, die nicht nur ruhiges Gewässer zum Schwimmen bietet, sondern bei der die am Ufer aufragenden steilen Felswände ebenfalls mit „einfachen“ Grabhöhlen, aber auch mit prunkvollen Grabfassaden versehen sind. 

Neugierig geworden lassen wir uns mit dem Beiboot ans Ufer bringen und in einem guten Kilometer Entfernung davon an einem Strandlokal wieder aufnehmen. Der dazwischen liegende Uferpfad hat es aber in sich und erfordert einige Anstrengung. Dafür führt er an einigen der tempelartig gestalteten Felsfassaden vorbei, gewährt schöne Ausblicke in die Bucht und bietet uns damit noch völlig unvorhergesehen ein schönes Abschiedsgeschenk, bevor wir abends unvermeidlich die Hafenbucht von Göçek ansteuern, wo wir mit Mühe einen Ankerplatz auf dem Wasser finden, um nach einer letzten kurzen Nacht an Bord am nächsten Morgen individuell die Rückreise anzutreten.

Der Kapitän des Gulets hat uns mit seiner erfahrenen Mannschaft aufs Beste verwoehnt und sein Koch uns immer leckeres Essen aus seiner kleinen Kombüse serviert. Dementsprechend fiel uns der Abschied von unserem schwimmenden Zuhause, der zuvorkommenden Mannschaft und der eingeschworenen Gemeinschaft dann doch schwer!

Die Reise entlang der Karischen Küste

Die Reisezeit war ideal! Es war nicht zu heiß für die Wanderungen zu den einzelnen Besichtigungspunkten, aber warm genug, um immer wieder eine Runde im Meer zu schwimmen und die Sonne an Deck zu genießen. Wir werden auch im kommenden Jahr einen Termin Ende September/Anfang Oktober für diese Reise wählen.

Obwohl jedes Gulet traditionell mit Segeln ausgestattet ist, ist die übliche Antriebsart der Motor des Schiffes, um  die geplanten Besichtigungen und die Reiseroute einhalten zu können. Wenn es die Zeit erlaubt, wird jedoch versucht auch eine Strecke unter Segeln zurückzulegen. Einzelne Besichtigungspunkte wie Phoenix und Lydae sind bei dieser Reise nicht immer auf dem kürzesten Fussweg erreicht worden - Wir danken allen Reiseteilnehmern, die an dieser Pionierreise teilgenommen haben und sich an den kleinen Suchexpeditionen beteiligt haben!

Generell ist es eine Reise, die tolle Besichtigungen mit genügend freier Zeit zum Entspannen an Bord und zum Schwimmen kombiniert. Herzlichen Dank auch für alle Fotos und Rückmeldungen - wir freuen uns auf kommende gemeinsame Reisen! Besonderer Dank gilt unserem Reiseleiter Joachim Willeitner M.A. und Herrn Dr. rer nat. Dipl. Geol. Stefan Uhlig für die Beiträge zu diesem Reisebericht!

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Wir haben zahlreiche Reisen in die Region geplant - Göbekli Tepe, eine Reise zu den Hethitern, Mittelägypten, Jordanien, Oman, Nubien und mehr! Kommen Sie mit auf eine Reise in eine unbekannte Welt, tauchen Sie ein in die Geschichte und lassen auch Sie sich von unseren wissenschaftlichen Begleitern begeistern! 

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Was haben wir im kommenden Jahr geplant?

Bewährte Reisen wie zur Eiszeitkunst und nach Göbekli Tepe werden natürlich wiederholt. Aber auch viele neue Reisen stehen am Programm! Es geht nach Zentralanatolien auf den Spuren der Hethiter, zu mystischen Wüstenschlössern in Jordanien, ins unbekannte Mittelägypten und in das Weihrauchland Oman. Einige Reisen kommen noch dazu - vielleicht ist etwas für Sie dabei?

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