Reisebericht Göbekli Tepe und Südostanatolien
Diyarbakir
Startpunkt der Reise war jeweils die geschichtsträchtige Stadt Diyarbakir, die sich aus der byzantinischen Zeit, als sie noch Amida hieß, ihre nahezu komplette Stadtmauer aus dunklem Basalt bewahrt hat. Auch die benachbarte Zitadelle aus der Artukiden-Zeit wurde aus diesem Material errichtet. Sie beherbergt heute das archäologische Museum, unter anderem mit den Fundstücken aus Körtik Tepe und Cayönü, zwei wichtigen prähistorischen Fundplätzen der Osttürkei. Die große Moschee im Stadtzentrum zählt zu den ältesten der Türkei. Außerdem wurde die alte zehnbogige Brücke über den Tigris besucht, bevor es mit dem Bus über Körtik Tepe an den Fuß des Nemrut Dağ ging.
Nemrut Dag
Durch einen unerwarteten Kälteeinbruch in den Tagen zuvor gab es am nächsten Morgen für die Gruppen auf dem Nemrut Dağ in 2150 m Höhe einen überraschenden spektakulären Anblick: die herabgefallenen kolossalen Köpfe der Monumentalfiguren blickten größtenteils aus dem Schnee. Dafür präsentierten sich die anderen Denkmäler der Kommagene, die monumentalen Reliefs und Inschriften von Arsameia, die Römerbrücke von 200 n. Chr. über den antiken Chabinas und der Grabhügel von Karakus, zumeist in strahlendem Sonnenschein. Die Weiterfahrt führte durch Adiyaman, in dem die Erdbebenschäden vor wenigen Jahren weitgehend behoben waren. Und nach einem Zwischenstopp in einem Areal mit bronzezeitlichen Dolmengräbern wurde Gaziantep erreicht.
Gaziantep
Der Vormittag in Gaziantep stand ganz im Zeichen der eindrucksvollen römischen Mosaiken, die man aus den nahegelegenen Ruinen von Zeugma am Euphrat geborgen hatte, bevor diese in den Fluten eines Stausees versunken sind. Die Präsentation im Museum zeigt nicht nur die isolierten Mosaikböden, sondern auch das architektonische Umfeld, so dass man fast das Gefühl hat, durch die antike Stätte zu laufen. Da Gaziantep nicht nur das unbestrittene Zentrum der Baklava-Produktion ist, sondern auch wegen seiner Küche, die türkische und arabische Elemente vereint, berühmt ist, blieb ausgiebig Zeit im Basar am Fuß der frisch restaurierten Zitadelle, um all die kulinarischen Köstlichkeiten in Ruhe auszuprobieren. Am frühen Abend war dann die Ankunft in Urfa, das für die nächsten Tage das feste Standquartier für alle Tagesausflüge werden sollte.
Sanliurfa
Urfa, vollständig eigentlich Sanliurfa, das antike Edessa, ist vor allem in der islamischen Überlieferung eng mit Abraham, dem Stammvater aller drei Buchreligionen (Juden- und Christentum sowie Islam) verbunden. Er soll, ebenso wie der Prophet Hiob, hier geboren sein und durch göttliche Wunder alle Nachstellungen seiner heidnischen Widersacher überstanden haben. Davon zeugt heute vor allem am Fuß der eindrucksvollen Zitadelle ein großer und malerischer Moscheekomplex mit dem Balikli Göl, einem berühmten Teich mit „heiligen“ Karpfen.
Tas-Tepeler-Kultur
Für die Kulturgeschichte der Menschheit hat sich Urfa in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Zentrum entwickelt, seit man in der Umgebung der Stadt zahlreiche Stätten entdeckt hat, die aus den Anfängen der Sesshaftwerdung des Menschen um 10 000 v. Chr. stammen und die mittlerweile unter der Bezeichnung „Tas-Tepeler-Kultur“ zusammengefasst werden. Sie alle zeichnen sich vor allem durch monumentale Steinkreise aus, zu denen bis zu 5,5 m hohe und bis zu 20 Tonnen schwere Steinpfeiler in T-Form gehören, die nicht nur allesamt sorgfältig behauen, sondern in vielen Fällen auch noch mit Reliefdarstellungen versehen sind.
archäologisches Museum Urfa
Das bekannteste Beispiel hierfür ist sicher das weitläufige Göbekli Tepe mit seinen wahrscheinlich über 20 Steinkreisen. Aber auch Urfa selbst muss unter seiner modernen Bebauung eine solche Steinkreisanlage besessen haben, wie der Fund einer entsprechenden Kultstatue belegt. Dieser stehende „Urfa-Mann“ repräsentiert, gemeinsam mit einem erst im September 2023 in Karahantepe aufgefundenen sitzenden Gegenstück, die älteste (über)lebensgroße Skulptur eines Menschen überhaupt. Er bildet eines der Prunkstücke des großen archäologischen Museums von Urfa, das mittlerweile die weltweit größte und laufend wachsende Sammlung an prähistorischen Kunstwerken vorweisen kann. Bei unserem Besuch waren dort bereits die erst wenige Monate zuvor ans Licht gekommenen spektakulären Neufunde (bspw. ein lebensgroßer Kopf mit wahrscheinlich zugenähtem Mund aus Karahan Tepe) ausgestellt.
Fundstätten der Tas Tepeler Kultur
Überhaupt erbringen die laufenden Ausgrabungen an mittlerweile rund einem Dutzend Fundplätzen dieser Tas-Tepeler-Kultur ständig neue Objekte und Erkenntnisse. Außerhalb des offiziellen Programms wurden mit den einzelnen Gruppen solche Stätten wie Cakmaktepe, Sefertepe, Ayanlar oder Harpetsuvan aufgesucht, an denen die Ausgrabungen teils erst begonnen haben.
Göbekli Tepe, Karahantepe, Sayburc
Aber auch die „etablierten“ Orte wie Göbekli Tepe und vor allem Karahantepe und Sayburc ändern durch die Tätigkeit der Archäolog(inn)en von Grabungssaison zu Grabungssaison ihr Gesicht. Im September 2021 hatten die damaligen Zugvogel-Reisenden das unglaubliche Glück, als erste ausländische Gruppe überhaupt das erst wenige Tage zuvor bekannt gewordene spektakuläre Felsrelief von Sayburc zu Gesicht zu bekommen. Nach fünf Jahren, seit man am Dorfrand mit der Freilegung zahlreicher Steinkreise mit T-Pfeilern begonnen hat, ist der Ort nicht wiederzuerkennen. Das anfänglich in einer angebauten Garage verborgene zweiteilige Felsbild entpuppte sich bald als Reliefschmuck der Einfassung eines großen Steinkreises im Zentrum des Fundkomplexes. Und es ist jederzeit mit weiteren aufredenden Neufunden zu rechnen. Ein Besuch lohnt sich also auch für diejenigen, die schon länger nicht mehr vor Ort waren.
Flussfahrt am Euphrat
Nach den vielen Erlebnissen der Vortage, halten wir den letzten Besuchstag bewusst entspannt. Zum Ausklang geht es daher bei strahlendem Frühlingswetter mit dem Boot auf dem Euphrat-Stausee vorbei an der beeindruckenden Festungsanlage von Rumkale zur versunkenen Stadt Halfeti, von der nur noch ein Minarett aus dem Wasser ragt.
Der abschließende Halt im Naturschutzzentrum bei Birecik mit einer Aufzuchtstation für den vom Aussterben bedrohten Waldrapp und einem kleinen Museum mit einer Dokumentation zur vielfältigen Tierwelt der Osttürkei ruft noch einmal in Erinnerung, dass manche dieser Tiere auch schon auf den Reliefs der prähistorischen T-Pfeiler zu sehen gewesen waren.
Mit vielen Eindrücken versehen erfolgt dann am nächsten Tag der Rückflug ab Urfa in die jeweiligen Heimatorte.
Reisen nach Anatolien - kommen Sie mit?
Unsere Reisen in der Türkei sind bewusst kleinräumig gehalten, um die vielen einzigartigen Fundstätten tatsächlich bewusst erleben und nicht nur abhaken zu können. Wir reisen auf den Spuren der Hethiter in Zentralanatolien, staunen über die Zeugnisse der Urartäer ganz im Osten Anatoliens und widmen uns intensiv der Region Südostanatolien mit Göbekli Tepe, den Fundstätten der Tas Tepeler Kultur und der Kulturlandschaft zwischen Euphrat und Tigris.
EINIGE RESTPLÄTZE FÜR SEPTEMBER 2026 NOCH BUCHBAR!
Gerne setzen wir Sie für 2027 bereits auf die Interessentenliste und informieren Sie so als erste, sobald die Reisen buchbar sind.
Südostanatolien
Auf historischen Spuren zwischen Euphrat und Tigris
- 04. Sep - 11. Sep 2026
- seldschukische Meisterwerke
- Hasankeyf und Dara
- spirituelle Vielfalt: Aleviten, Christen und Eziden
8 Tage Archäologiereise 8 bis 16 Personen
ab 2.990 € (inklusive Flug)
Göbekli Tepe - vor 12 000 Jahren
Die vielleicht bedeutendste archäologische Entdeckung des 21.Jhrdts.!
- Termine im Mai und September
- älteste architektonisch ausgestaltete Monumentalbauten
- Grabungsareal, Nemrud Dag, Sanliurfa, Karahantepe uvm.
8 Tage Archäologiereise 8 bis 15 Personen
ab 2.750 € (inklusive Flug)
Hethiter
Das alte Anatolien und das mächtige Reich der Hethiter
- Juni 2027
- die legendäre Hauptstadt Ḫattuša
- faszinierende Heiligtümer
- traumhafte Landschaft in Kappadokien
10 Tage Archäologiereise 8 bis 16 Personen
auf Anfrage
Urartäer
Faszinierende Türkei rund um den Vansee und den Ararat!
- Juni 2027
- Zeugnisse des Reich der Urartäer
- Festungen, Paläste, Nekropolen
- Klöster, Moscheen, archäologische Stätten
8 Tage Archäologiereise 8 bis 16 Personen
auf Anfrage
Gerne können Sie uns bei Fragen zu unseren Reisen kontaktieren: office@zugvogeltouristik.at | Telefon: +43 1 890 77 00 - Wir freuen uns auf Sie!