Reisebericht Hethiter und Zentralanatolien
Ankara und Alaca Höyük
Die Erkundungstour begann mit dem Besuch des Museums für anatolische Zivilisationen in Ankara. Hier begrüßte uns schon im Hof eine aufgerichtete Replik der unvollendet gebliebenen Kolossalstatue eines stehenden Wettergottes. Das Original liegt noch heute abtransportbereit im hethitischen Steinbruch von Fasillar auf dem Boden! Andererseits beherbergt das Museum die originalen Quader der hethitischen Reliefs an der Stadtmauer von Alaca Höyük. Diese sind am Fundort, der nachmittags auf dem Programm stand, durch Abgüsse ersetzt worden. Alaca Höyük ist aber nicht nur wegen dieser Reliefquader und dem Sphinxtor berühmt, sondern vor allem wegen seiner ungeplünderten Fürstengräber aus vorhethitischer Zeit. Fantastisch sind die reichen Beigaben in Gestalt von rätselhaften Bronzestandarten sowie Schmuck und Gefäßen aus Gold. Auch diese Objekte bewunderten wir ausgiebig, ganz zu schweigen von den zahlreichen Exponaten aus der hethitischen Zeit, unter denen vor allem die vielfältige Keramikproduktion herausragte.
Corum und Yazilikaya
Auch am nächsten Tag stand zunächst ein kurzer Museumsbesuch auf dem Programm. Das Lokalmuseum von Corum verwahrt als Spitzenstücke die beiden schönsten hethitischen Reliefvasen, die weitgehend erhalten in Hüseyindede gefunden worden waren. Dass die Hethiter nicht nur große Keramikvasen mit kunstvollen Darstellungen verzieren konnten, sondern auch Felswände, zeigte der anschließende Besuch des Felsheiligtums von Yazilikaya mit seinen zahlreichen Götterdarstellungen und mythologischen Szenen. Wir begaben uns sowohl vor wie auch direkt nach der Mittagspause in die schmale Felsschlucht, wobei das steil einfallende Sonnenlicht jeweils andere Reliefwände ausleuchtete.
Hattuscha
Der Rest des Tages galt der Hethiterhauptstadt Hattuscha, heute Bogazköy. Nach und nach nahmen wir deren Tempel, reliefverzierte Quellheiligtümer und monumentale Stadttore mit Skulpturenschmuck ausgiebig in Augenschein.
Was vor allem in den letzten Jahren bei den Ausgrabungen in Hattuscha, die seit vielen Jahrzehnten von deutschen Archäologen ausgeführt werden, zutage trat, konnten wir am nächsten Morgen im neuen Lokalmuseum von Bogazköy bewundern.
Am Weg nach Kayseri
Danach ging es mit spannenden Zwischenstopps weiter Richtung Kayseri. Wír besuchten das hethitische Steinbruchgelände von Karakiz mit einer unvollendeten Löwenskulptur. Außerdem die beiden eng mit Wasser in Verbindung stehenden Örtlichkeiten Sarikaya und Sitmapinar: die eine ein monumentales antikes Thermalbad mit Prunkfassade, die andere ein bescheidenes antik gefasstes Quellbecken mit griechischen Inschriftenresten.
Spätnachmittags erkundeten wir noch die Überreste von Kültepe mit dem Karum Kanesch. In Anatolien war es der wichtigste Knotenpunkt eines weitgeknüpften Handelsnetzes, das assyrische Kaufleute im frühen 2. Jahrtausend v. Chr. aufgebaut und betrieben hatten. Mindestens 20 000 dort zutage getretene Tontafeln mit Keilschrifttexten dokumentieren den florierenden Fernhandel. Anitta von Kussara, der um 1750 v. Chr. das Karum Kanesch eroberte und zerstörte, gilt in der späteren Überlieferung der Hethiter als Stammvater ihres Herrscherhauses.
Weiter nach Kappadokien
Nach dem Besuch des neuen archäologischen Museums in Kayseri mit spannenden hethitischen Objekten und der Besichtigung einiger Prunkbauten der Seldschuken in der Stadt standen zunächst zwei nur selten besuchte hethitische Felsreliefs auf dem Progamm, dasjenige von Firaktin mit Darstellungen von König Hattusili III. und seiner Gemahlin Puduhepa und dann das von Imamkullu mit dem Reliefbild eines Wettergottes, das von einem Prinzen namens Kuwalanamuwa am Beginn einer wichtigen Passstraße gestiftet worden war. Nach einem anschließenden kurzen Abstecher ins kappadokische Soğanli-Tal nahmen wir Quartier in Güzelyurt, das uns in den nächsten Tagen als Startpunkt für diverse Tagesausflüge diente und wovon aus wir einen phantastischen Blick hinüber zum Hasan Dag mit seinen beiden charakteristischen Gipfeln hatten.
Auf den Vulkan und unter die Erde
Der nächste Vormittag bot die wahrscheinlich spektakulärste Besichtigung der ganzen Reise. Auf der Ladefläche eines Traktors ging es steil hinauf in die Caldera des erloschenen Vulkankegels des Gölludağ, wo sich eine großflächige Höhensiedlung des späthethitischen Königreichs von Tabal aus dem 1. Jahrtausend v. Chr. erstreckte. Da zusätzlich auch noch ein Geländewagen zur Verfügung stand, konnten damit die vier ältesten Personen der Gruppe den Gipfel recht komfortabel erreichen.
Am Fuß des Berges breitet sich ein vollständig mit Obsidianbrocken bedecktes Gelände aus und dazwischen steckten immer wieder bearbeitete Klingen und Abschläge aus diesem schwarzen vulkanischen Glas, von denen einige schon in der Altsteinzeit ihren Weg als Tauschhandelsware bis an das Tote Meer fanden.
Nach der Tour in atemberaubender Höhe ging es nachmittags in den Untergrund, nämlich in die sieben Etagen und 55 m tief in den vulkanischen Tuffboden Kappadokiens eingeschnittene unterirdische Stadt von Derinkuyu, mit 2500 qm zugänglicher Grundfläche die größte ihrer Art. Einige wenige Baudetails lassen vermuten, dass ihre Anfange schon in hethitische Zeit zurückreichen könnten
Atemberaubende Landschaft und Prähistorische Zeugnisse
Tags darauf durchwanderten wir am Vormittag einen Abschnitt des langgezogenen Ihlara-Tals, das wegen seiner steilen und eng beieinanderstehenden Felswände auch als der „türkische Grand Canyon“ bezeichnet wird, wobei wir den berühmten Höhlenkirchen, die unterwegs in den Tuff eingetieft waren, jeweils einen Besuch abstatteten. Ihre heutigen Bezeichnungen wie Schlangen- oder Hyazinthenkirche, verdanken sie meist typischen Einzelszenen ihrer üppigen Wandmalereien, die teils bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen.
Der anschließende Besuch des Museums in Aksaray diente auch schon der Vorbereitung auf unser Nachmittagsziel, die prähistorische Siedlung von Aşikli Höyük, die älter ist als das berühmtere Catal Höyük. In Aşikli Höyük hatte man in einem auch architektonisch besonders hervorgehobenen Raum ein Doppelgrab einer Frau mit einem kleinen Kind gefunden, wobei der heute im Museum von Aksaray ausgestellte Schädel der Frau die bislang älteste belegte Trepanation (Schädelöffnung) aufweist. Wenn auch in Aşikli Höyük die aktuellen Ausgrabungen witterungsbedingt nicht zugänglich bzw. abgedeckt waren, so vermittelten doch die nachgebauten Rund- und Rechteckhäuser auf dem Gelände einen guten Eindruck von der ehemaligen Lebensweise. Ein kleiner Abstecher zu den Tuffkegeln von Selime, die besonders schön im Abendlicht lagen, beschloss den Besuchstag.
Auf alten Karawanenpfaden
Vor dem Verlassen von Kappadokien statten wir am nächsten Morgen noch der Roten Kirche (Kizil Kilise), benannt nach der Farbe ihres vulkanischen Baumaterials, einen Besuch ab. Das wahrscheinlich dem kappadokischen Kirchenvater Gregor von Nazianz geweihte Gotteshaus zählt mit seiner Entstehungszeit im 5,/6. Jahrhundert zu den ältesten freistehenden Kirchen Anatoliens.
Die danach von uns genutzte Straße, die Aksaray mit Konya verbindet, folgt einem alten Karawanenweg, der einst Bestandteil der Seidenstraße war. Davon legen eine Reihe von Karawansereien im Abstand von jeweils rund 40 km voneinander ein beredtes Zeugnis ab. Diesmal steuerten wir den Zazadin Hani, die am nähesten an Konya gelegene Handels-Raststätte, zu einer kurzen Außenbesichtigung an.
In Konya selbst bildete der Moscheekomplex um das Grab des berühmten persischen Sufi-Mystikers Rumi, genannt Mevlana („unser Meister“), der im 13. Jahrhundert wirkte, den Schwerpunkt des Stadtbesuchs. Mit seiner markanten grün glasierten Überdachung prägt das Mausoleum des islamischen Gelehrten das Zentrum der einstigen seldschukischen Reichshauptstadt.
Catal Höyük und letzte Zeugnisse der Hethiter
Der letzte Besuchstag hielt noch drei spannende historische Stätten bereit: vormittags erkundeten wir die berühmte prähistorische Siedlung von Catal Höyük, die den Ruf hat, die erste Großstadt der Menschheitsgeschichte gewesen zu sein. Ein erst seit kurzer Zeit eröffnetes Dokumentationszentrum vermittelte zudem ausführlich und anschaulich alle neuen Forschungsergebnisse zu dieser spannenden archäologischen Ausgrabung.
Nachmittags schloss sich der Kreis unserer Besichtigungen, als wir in Fasillar unweit von Beysehir diejenige monumentale Statue eines hethitischen Wettergottes noch in originaler Fundlage im Steinbruch antrafen, die wir schon am ersten Tag im Museumsgarten von Ankara aufgestellt als Replik bewundert hatten. Vor der Rückkehr nach Konya ließen wir zum Ausklang noch die ruhige Atmosphäre des nicht minder beeindruckenden hethitischen Quellheiligtums von Eflatun Pinar mit seiner Prunkfassade auf uns einwirken.
Auf Wiedersehen!
Frühmorgens hieß es dann von den Hethitern Abschied zu nehmen, als es von Konya aus mit dem Flugzeug wieder zurück in die eigene Heimat ging. Und Einige der Mitreisenden planen schon ein Wiedersehen …
DANKE!
Unser Dank gilt einerseits den Reisenden, die sich immer wieder mit uns auf ein archäologisches Abenteuer einlassen. Andererseits natürlich besonders Joachim Willeitner MA und Hüseyin Süren, die unsere Reisenden auch bei dieser Reise bestens betreut haben. Das enorme Fachwissen und die persönlichen Kontakte vor Ort machten die Tour auf den Spuren der Hethiter wieder zu einem besonderen Erlebnis!
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